Theater nervt!

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Allen Theatermachern und Kulturmenschen da draußen, denen Management, Marketing und Begriffe wie "Kundennutzen" oder "return on investment" nicht nur spanisch vorkommen, sondern für die solche Worte sinnbildlich für die Bagatellisierung, Banalisierungund Kommerzialisierung der Künste stehen sei gesagt -

es geht noch schlimmer:

Neuromarketing.

Diese Facette der Beeinflussung des Produzenten-Konsumenten-Verhältnisses wird z.B. dann angewandt, wenn eine Chipsmarke heraus finden will, wie sich der Geschmack der Chips und das Gefühl beim Griff in die Tüte auf das Genusserlebnis der Konsumenten auswirkt.

Was (um Gottes Willen!) mag das jetzt mit Theater zu tun haben?!

Das weiß ich auch noch nicht, aber ich werde versuchen, es mal zu recherchieren und eine kleine Theorie des Neuro-Kulturmarketing zu basteln.

Denn eigentlich klingt des Pudels Kern ja gar nicht so falsch, will man auf sein Haus, seine Produktionen, Premieren oder Spielpläne aufmerksam machen und dabei die Zuschauer möglichst emotional ansprechen:

"I had just had a meeting with someone senior at Coke. He had been telling me that despite spending $3 billion on marketing and another $3 billion on indirect marketing, he was not sure what precisely he got out of it. This was still on my mind when I asked the neuroscientist what he did. He told me he helps children with attention deficit disorders, adults with emotional problems, and he works with the aged suffering from diseases such as Alzheimer’s. It struck me that this was exactly what the man at Coke was looking for. How do you get people to pay attention? How do you engage them emotionally, and how do you ensure they remember what is being said to them? Can’t I apply what he was doing in the clinic to what was happening?“

Quelle: OPEN magazine

Aber wie funktioniert nochmal das Gehirn…?


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back to the roots

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Seit fünf Jahren bin ich jetzt als freier Schauspieler unterwegs. Nach dem Diplom habe ich gedacht: "Du musst so schnell wie möglich irgendwo fest engagiert werden, so ist doch der normale Gang der Dinge als Anfänger."

Ja Pustekuchen. Versucht und gescheitert - mit dem Festengagement.

Aber als Freier erfolgreich zu sein hat geklappt, und zwar seit Abschluss durchgehend. Und mit Erfolg meine ich sicherlich nicht, dass ich an den großen Bühnen dieser Nation mit den großen Regisseuren unserer Zeit zu arbeiten gewohnt wäre.

Mit Erfolg meine ich die Chance, diesen Beruf auszuüben und davon gut leben zu können. Gerade die Abwechslung, das permanente Umorientieren und die Suche nach meiner persönlichen künstlerischen Nische ist es, was diese Arbeit für mich so spannend und erfüllend macht. Im Augenblick könnte ich mir gar nicht vorstellen, mich irgendwo an einem noch so großen Haus für eine lange Zeit zu verpflichten. Ich bekäme bestimmt nass-kalte Schweißfüße bei dem Gedanken an so viel Kontinuität… Und als es dann zum ersten mal soweit war, dass mir jemand einen Zweijahresvertrag im Hessischen angeboten hatte, machte die Familienplanung die Entscheidung zur Ablehnung ganz leicht.

Und sein eigener Herr zu sein hat ja nicht nur Nachteile. Denn inzwischen mache ich so viele verschiedene Dinge parallel, die alle irgendwie mit der Bühne zu tun haben, an der mein Herz hängt: Spieler, Autor, im Augenblick ganz viel Student und hie und da schon ein bisschen Manager.

Und nun kommt noch ein Aspekt hinzu, über den ich mich wirklich sehr freue. Ich fange am kommenden Montag eine Stelle als Dozent an der Theaterakademie Köln an, der Schule, an der ich das Handwerkszeug für diesen tollen Beruf gelernt habe. Im Fach "gestisches Erzählen" werde ich in diesem Semester versuchen, vierzehn Schülerinnen und Schülern die Kunst des Erzählens zu erschließen, ein tolles Fach, dass ich als Student geliebt habe. Ich freue mich besonders über die Gelegenheit, meine bescheidene Berufserfahrung an die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen weitergeben zu dürfen. Diese Anerkennung meine früheren Ausbildungsstätte macht mich schon ein bisschen stolz.

Jetzt aber weg mit dem Pathos!! Mir flattern die Hosen beim Gedanken an meinen ersten Unterricht und die Verantwortung, die an einer zwar privaten aber staatlich anerkannten Schauspielschule so dran hängt. Aber nach fünf Jahren die Schule wieder regelmäßig als Dozent zu betreten ist ein schöner Gedanke.

Am Ende des Semesters wird es dann eine Präsentation der Arbeit geben. Ich werde zeitig posten wann und wo. 

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Corporate Design für Theater (3)

corporate design

Fortsetzung von Teil 2

Was ist Corporate Identity?

Instrumente der CI

Innerhalb des CI-Komplexes gibt es drei Instrumente, die das Unternehmen nach außen erlebbar machen: Design, Kommunikation und Verhalten. Diese Begriffe beschreiben theoretische Facetten der CI, die sich in der Praxis überschneiden, denn auch Design ist eine Form der Kommunikation, jedes Design kommuniziert zumindest eine stilistische Grundhaltung.

Kommunikation

Corporate Communications (CC) definiert die ganzheitliche oder geschlossene Kommunikation einer Institution in sämtlichen Ausprägungen, egal ob gesprochen oder geschrieben, von der Telefonbegrüßung bis zu Public Relations und Werbung. Das Ziel ist die Vermittlung und Pflege eines systematisch erarbeiteten Images und richtet sich an alle Stakeholder einer Institution, also auch nach innen an die Mitarbeiter (z.B. Schreib- und Sprachregelungen für die Korrespondenz, und die Beeinflussung des Betriebsklimas). Schwerpunkte sind  Werbung, Verkaufsförderung, PR oder Marktforschung.

Verhalten

Als Corporate Behavior (CB) bezeichnet man die widerspruchsfreie Gestaltung sämtlicher Verhaltensweisen einer Institution und ihrer Beteiligten nach innen und außen. Das Innenverhältnis bezieht sich z.B. auf Lohn- und Gehaltspolitik oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Nach außen definiert CB das Verhalten beispielsweise gegenüber Kunden und Lieferanten, oder das Verhältnis einer Institution zu Themen wie Umweltschutz oder Kultur. Führungsverhalten oder Umgang mit Reklamationen sind typische Beispiele für CB.

Corporate Design

Corporate Identity und Corporate Design (CD) werden oft mit einander verwechselt, da das CD die visuelle Interpretation der CI darstellt und diese somit optisch erfahrbar macht. Designer versuchen das konkrete Anliegen einer Institution zeichenhaft zu transportieren, und dabei durch eine hohe Eigenständigkeit und Assoziationsfähigkeit die Wiedererkennbarkeit einer Institution „auf den ersten Blick“ zu gewährleisten. Die Ausmaße von CD reichen von der Architektur der genutzten Gebäude, Druckerzeugnisse, Fahrzeugen, Kleidung, Verpackungen etc. bis zur Beschriftung des Briefpapier.

Corporate Design besteht hauptsächlich aus vier verschiedenen Gestaltungsschwerpunkten: Dem Logo, der Typografie, der Farbe und dem Gestaltungsraster.

Logo

Zwar beschreibt der Begriff Logo als Kurzform von Logotype ursprünglich nur Wort-, Zahlen-, oder Buchstabenzeichen (von lat. logos für Wort). Im deutschen Sprachgebrauch hat sich Logo aber als umfassender Begriff für das Zeichen einer Institution durchgesetzt, ob als Wortzeichen, Bildzeichen (Signet) oder eine Kombination von beidem . Das Logo ist das wichtigste Element des CD, da es als Werbekonstante stellvertretend für die Leistung einer Institution stehen muss und im besten Fall durch gezieltes Marketing zu einer Marke aufgebaut werden kann. Laut Martin Dunkl muss ein Logo folgende Eigenschaften erfüllen:

„[…] auffallen und erinnert werden können, einzigartig und unverwechselbar sein, Anmutungen [und] Assoziationen hervorrufen, vielschichtig [und] mehrdeutig sein, Symbol für eine Haltung sein […], in eine Branche passen, einfach und vielseitig verwendbar sein.“

Quelle: dunkl.com

Vielseitig verwendbar heißt, dass ein gutes Logo auch in schwarz-weiß, auf grobem Papier gefaxt oder z.B. auf Darstellungen im Web gut erkennbar sein muss.

Typografie

Der Designer Erik Spiekermann schreibt zu Corporate Type:

„Schrift ist sichtbare Sprache. […] Ein Corporate Design Programm ohne eigene Schrift ist wie die Architektur des Sozialen Wohnungsbaus: gesichtslos, verwechselbar, langweilig […]“

Quelle: spiekermann.com

Die „Hausschrift“ dient aber überwiegend der Kommunikation und muss daher bei aller Individualisierung klar und leicht gelesen werden können. Neben Auswahl der Schriftart regelt die Typografie auch Zeilenabstände, Schriftgrößen und Schriftschnitte für verschiedenste Anwendungsbereiche, sowie deren Größen- und Mengenverhältnisse zueinander, also das Schriftklima.

Farbe

Die Farbe, in der sich die visuelle Erscheinung einer Institutions-Identität präsentiert, kann ein wichtiges und unmittelbares Unterscheidungsmerkmal sein. Da Farben direkt auf die Emotionen des Betrachters wirken verfügen sie über eine immense Signalwirkung. Corporate Color definiert die Primärfarben des Logos einer Institution und die Sekundärfarben, die z.B. bei der Gestaltung von Unternehmensarchitektur oder Arbeitskleidung von Bedeutung sind. Bei der Farbwahl sind Farbcodes anzuerkennen, die kulturbedingt unterschiedlich ausgeprägt, aber durchaus empirisch nachweisbar sind (z.B. die Farbe Rot als Symbol für Liebe, Blut, Erregung etc.).

Gestaltungsraster

Das Gestaltungsraster setzt die oben genannten CD-Elemente zueinander in Beziehung und erschafft ein einheitliches und feststehendes Ordnungssystem, das i.d.R. in einem Design-Manual festgeschrieben wird. Satzarten (z.B. linksbündig oder rechtsbündig), Anordnung von Text- und Bildelementen, oder die Positionierung von stets gleichen Stilelementen (den sog. Key Visuals) gehören zu den Dimensionen des Layoutrasters. Seine konsequente Anwendung gibt der Institution die Freiheit, nahezu jedes beliebige Objekt in das CD einzubinden.

CD als Kommunikationsmaßnahme

Die bisher vollzogene Dreiteilung der CI-Instrumente ist eher idealtypisch und schematisch. In der praktischen Arbeit vermischen sich die Bereiche und ihre Wirkungen erheblich. Das Corporate Design steht in der Theorie zwar auf einer Ebene mit Corporate Communication, wobei Design aber ebenso als Kommunikationselement gesehen werden kann und sollte. Das einheitliche Design einer Institution baut auf ihrer Leitidee auf und setzt diese grafisch um. Das Selbstverständnis wird also durch das CD über gestalterische Elemente nach außen gekehrt, und so der Außenwelt kommuniziert. Natürlich erfüllt dieser Ansatz seinen Zweck nur dann, wenn die anderen Teilbereiche der CI in eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie mit einbezogen werden. Um nachhaltig wirken zu können braucht CD als visuelle Oberfläche auch Inhalte. Diese werden zwar durch das Design angedeutet, ohne tatsächliche Qualitäten der Institution allerdings wird das CD schnell als oberflächliche verkaufsfördernde Behauptung entlarvt. Gerade die Fülle medialer Informationen unseres Internetzeitalters stellt die Eigenwahrnehmung eines Unternehmens permanent durch Fremdäußerungen in Frage. Transparenz und Authentizität sind daher heute Schlüsselqualifikationen der Kommunikation einer Institution durch Corporate Design

Was hat das mit Theater zu tun?! Weiterlesen: Teil 4 befasst sich mitdem CD von Kulturinstitutionen

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Corporate Design für Theater (2)

Abgelegt unter: Allgemein, Kulturmanagement

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Fortsetzung von Teil 1

Was ist Corporate Identity?

Der Begriff Corporate Identity ist nicht leicht zu fassen. Das aus dem Amerikanischen stammende Adjektiv corporate lässt sich mit geschlossen, unternehmerisch oder körperschaftlich übersetzen. Der Begriff identity meint die Identität oder Persönlichkeit eines Menschen oder einer Institution, also die unverwechselbare Gesamtheit der persönlichen Eigenschaften.

Eine mögliche und durchaus treffende Übersetzung von Corporate Identity bietet also der Begriff der Unternehmenspersönlichkeit, wobei sich das Konzept nicht auf wirtschaftliche Unternehmungen beschränkt. Im Sinne von corporate, also der Ganzheitlichkeit einer Körperschaft, ist es auf jede Institution wie Behörden, Verbände, Kulturinstitutionen oder andere Zusammenschlüsse von Menschen anwendbar.

Eine einheitliche inhaltliche Definition für den Begriff der Corporate Identity ist aufgrund seiner differenzierten Anwendung nicht möglich, allerdings sind Bedeutungstendenzen feststellbar, die gewisse grundlegende Parameter des CI-Begriffes umfassen. So wird der Themenkomplex CI allgemein dem Bereich der Kommunikation zugeordnet, übersetzen

„[…] wobei es sich um den zielorientierten Austausch von Informationen handelt. In bezug [sic] auf das Thema CI setzen sich die meisten Autoren vorrangig mit dem Informationsfluss, der vom Unternehmen aus in dessen vielfältige und –schichtige Öffentlichkeit fliesst [sic], auseinander. Die Öffentlichkeit des Unternehmens schliesst [sic] dabei […] die Mitarbeiter mit ein. Die das Unternehmen verlassenden Informationen sollen unter ganz spezifischen Gesichtspunkten gestaltet und gesteuert werden.“

Quelle: Doreen Hein: Corporate Identity in kleinen Unternehmen

 

Zentraler Gedanke der CI ist die Annahme, dass Körperschaften wie z.B. Unternehmen den gleichen Wahrnehmungskriterien unterliegen wie Personen:

„Die Unternehmenspersönlichkeit [ist] als das manifestierte Selbstverständnis des Unternehmens definiert. Voraussetzung für Corporate Identity ist […] zunächst, dass ein Unternehmen sich selbst versteht – und zwar in seinem (mikroökonomischen) Bestand, seinen Zielen, seinen Zwecken, in seiner makroökonomischen Funktion und in seiner sozialen Rolle.“

Quelle: Klaus Birkgit, Marinus M. Stadler, Hans J. Funck: Corporate Identity

Ziel der CI ist es, die Identität einer Institution schnell, eindeutig, unverwechselbar und memorierbar zu erkennen. Durch Aspekte wie Kontinuität und Transparenz des Erscheinungsbildes soll bei den Anspruchsgruppen Vertrauen in das Unternehmen und seine Produkte erzeugt werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Identität eines Unternehmens durch intensive und langwierige Durchdringungsprozesse analysiert werden, und so eine Ist-Identität definiert werden muss. Aufgrund des in Leitbildern festgelegten Selbstverständnis´ des Unternehmens folgt die Entwicklung einer Soll-Identität. Aus dieser wiederum kann eine Unternehmensphilosophie abgeleitet und Grundsätze für die Erzeugung einer Corporate Identity festgelegt werden. Ist die CI-Konzeption erfolgreich umgesetzt, wird die Soll-Identität langfristig zur tatsächlichen Unternehmensidentität. Der Kommunikationsexperte Dieter Herbst beschreibt CI als

„[…] das Management von Identitätsprozessen einer Organisation.“

Das Ziel des CI-Ansatzes ist es, eine möglichst hohe Übereinstimmung der Persönlichkeit mit der Außenwahrnehmung des Unternehmens, dem Image,  zu erzielen.

Was hat das mit Theater zu tun? Weiterlesen!

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Symbol für Sex, Reichtum, Rebellion

Abgelegt unter: Allgemein, Theater

klüngelpützDas war mal, wie´s scheint. Aber Kreativität und Zigaretten scheinen doch in einem mystischen Zusammenhang zu stehen. Obwohl der gemeine Raucher heute zu den am meisten stigmatisierten sozialen Gruppen gehört und mancherorts die These proklamiert wird, der Griff zum Glimmstengel sei gleichermaßen eine selbstauferlegte soziale Anwertung, so gehört die Fluppe doch auch heute noch zumindest zu dem Klischee von Theater: dunkle Bühnen, muffige Vorhänge, eine enge Kantine und blauer Dunst, hinter dem sich die künstlerischen Köpfe verstecken. Angesichts der seit einführung des Rauchverbotes im wahrsten Sinne des Wortes schwelenden Debatte übers Paffen springt da sogar das renommierte Sprachrohr der Theaternation in die Bresche:  

Das Branchenblatt „Theater heute“ kann sich Regisseure wie Dimiter Gotscheff und Schauspielerinnen wie Sophie Rois oder Bibiana Beglau ohne Zigarette gar nicht vorstellen und flucht: „Wie soll man die vielen Stunden nervenaufreibenden Herumsitzens bis zum nächsten Auftritt überdauern? Und wie glaubt der Gesetzgeber eigentlich, dass künstlerische Konzepte entstehen? Bei Mineralwasser? Im Spaßbad?? Unter Joggern???“

Quelle: welt.de

Der Schauspieler Max Tidof hat vor zwei Jahren privat gegen das Rauchverbot geklagt. Es sei eine Einschränkung seiner persönlichen Persönlichkeitsentfaltung und

es gibt viele Nichtraucher, die gerne Rauch sehen, das hat eben etwas sehr Ästhetisches. Es ist eine Kulturform. Eine Bar ohne Aschenbecher und ohne mondäne Damen, die an ihren Zigaretten ziehen - das ist furchtbar.

Quelle: taz.de

Tja, mag alles sein liebe Theaterleute. Aber die aktuelle Studie die im Fachmagazin Addiction veröffentlicht wurde zeigt angeblich, dass Nichtraucher einen höheren IQ haben als Raucher. Und zwar im Schnitt um 7,5 Punkte!

Denjenigen, die sagen Theaterleute seien also offenbar blöder als der Rest der Welt sei folgendes ins Stammbuch geschrieben:

Wenn die großen Theaterraucher (und euch Nicht-Theatermenschen sagen bestimmt die Namen Brecht und Müller etwas) Nichtraucher gewesen wären hätten die zusätzlichen 7,5 IQ-Punkte vielleicht dazu geführt, dass sie NIEMALS Theater gemacht hätten. Denn kein vernünftiger und kluger Mensch kann ernsthaft sein Leben mit Theater bestreiten wollen. Da gehört ein gerüttelt Maß an Schwachsinn und fahrlässiger Selbstverleugnung gepaart mit autoagressivem Masochismus einfach dazu.

Alkoholiker sind wir ja auch alle, wenn man den Empfehlungen der Bundesgesundheitsministerin glauben darf. Über "Die Freude über das erste Bier nach dem Schlussapplaus" schreib ich dann nächstes mal was.

Also sind wir doch einfach froh über die fehlenden 7,5 Punkte die uns zwar superschlaue Nichtraucher beschert, dafür aber großartige Theatermacher vorenthalten hätten!

Sagen wir´s mit dem Dramatiker Christopher Marlowe:

All that love not tobacco and boys are fools.

Quelle: nzz.ch

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Improkrimimitmachdingsbums…

Abgelegt unter: Allgemein, Rezensionen

klüngelpütz„Blutspur unter fetten Hennen“ im Theater Klüngelpütz will Impro- und Krimitheater verbinden. Aber diese prinzipiell herrlich waghalsige Versuchsanordnung scheitert am zu großen Bedürfnis nach Sicherheit.

Der Saal des kleinen Theaters in der Gertrudenstraße ist ausverkauft. Nicht schlecht bei der lokalen Konkurrenz. Aber Theaterleiterin Marina Barth ist auch clever. Was lässt sich außer Musicals am besten an den Zuschauer bringen? Der unvermeidliche Mitmach-Krimi, mit oder ohne Dinner, und das durch Fernsehformate wie „Schillerstraße“ gehypte Improtheater. Barth bastelt beides einfach zusammen. Dabei wird der ‚Kölnkrimi’ zu einer halben Varieté-Show. Alles wird hineingepackt: neben der im Untertitel versprochenen Satire, Improtheater und Kriminalgeschichte haben wir noch Chanson, ein bisschen Klavierbegleitung (Ewald Gutenkunst) und die schöne alte Conférence.

Das klingt nach ziemlich viel auf einmal. Ist es auch.

Der Abend beginnt mit einem Mini-Hörspiel, das uns sehr stimmungsvoll in die kölsche Nacht rund um den Dom, und den Mord an der schönen Isabella versetzt. Nach einem Titelsong irgendwo zwischen Brecht und Klaus Doldinger beginnt der Improteil. Das Trio ‚Clamotta’ (Eva Thiel, Markus Hahn, Stefan Thiel) spielt alle Tatverdächtigen, das Publikum bestimmt per Zufall und verdeckt wer der Mörder ist und gibt dann die ermittelnden Kommissare.

Marina Barth führt durch den Abend und verknüpft die verschiedenen Episoden der Geschichte. Die Überleitungen sind charmant, witzig und mit einem ordentlichen Schuss Kabarett versetzt. Die einzelnen Teile passen aber mitunter nur deshalb aneinander, weil sie es müssen, bevor Ratlosigkeit entsteht. Impro und Krimi laufen eher nebenher, als das sie ein stimmiges Ganzes ergeben. Die vorbereiteten Spielszenen wirken hölzern, und man hat den Eindruck, dass trotz aller Impro am Ende alles so abläuft wie von der Regie vorgegeben.

Zunächst werden Szenen der Mordnacht gespielt. Die Schwierigkeit: Die Spieler müssen vom Publikum mitgebrachte und ausgewählte Gegenstände einbauen. Und hier zeigt sich eine Schwäche der Show. Improvisation ist eine Königsdisziplin, in der ungewöhnliche Situationen mit unvorhersehbaren Requisiten zusammen gebracht werden. Hier gehen die Akteure zu oft den Weg des geringsten Widerstandes, weichen reizvollen Konflikten aus, wirken manchmal ratlos.

Wenn sich Stefan Thiel als Sekretär des Kardinals mit der von den feixenden Zuschauern ausgewählten Windel zu schnell und nur angedeutet den Schweiß wischt und sie dann hinters Klavier wirft, scheint froh zu sein, dass er das Ding los ist und wir fühlen uns um ein Dilemma betrogen. Zwar hält Eva Thiel als kölsche Bordsteinschwalbe und Kollegin der ermordeten Isabella tapfer dagegen (je nach Situation wird ihr Eierschneider ruckzuck mal zum Puderdöschen mal zum Handy), verschlepptes Tempo nimmt aber an zu vielen Stellen Schwung und Witz raus.

Besser läuft das Kreuzverhör, in dem das Publikum die Verdächtigen in den Schwitzkasten nimmt. Der Theatersport-Faktor ist hier deutlich geringer, und so schlagen sich die drei Spieler auch souverän bis hervorragend.

Marcus Hahn als schwuler Gigolo mit Zebrajacke spielt zwar heillos überzogen aber dermaßen konsequent und in seiner Figur schlagfertig, dass er das Publikum mit raffinierten Ausflüchten um den Finger wickelt. Das steckt an. Zum ersten mal an diesem Abend aber dafür richtig, und die Zuschauer beweisen beim Rätseln kölsche Zotensicherheit: Der Hang zu rosa Latexunterwäsche wird natürlich treffsicher dem Kölner Kardinal Meisner zugeteilt und dessen Sekretär nicht eher entlassen, bis er sich über beide Ohren in Dessou-Details seines Dienstherren verstrickt hat. Die Auflösung wird schließlich als nachgespielter Tathergang vom Ensemble vollzogen. Es war ‚Zebrajacke’, Motiv: Eifersucht. Platt aber akzeptabel. Keine Sorge, enden soll der ‚Krimi’ jedes Mal anders, daher ist hier nicht zuviel verraten.

Aber der Abend geht zu glatt, die Zuschauerbeteiligung wirkt teilweise nur als Dekor, das Aha- und Erfolgserlebnis der zahlenden Spürnasen bleibt aus. Krimi und Impro zu kombinieren ist eine nette Idee, aber durch eine autoritäre Spielleitung kann sich die Brisanz des Unvorhersehbaren kaum entfalten und die Improvisationen bleiben zu sehr klamaukiges Studententheater. Hier haben die Spieler Probleme, nicht ihre Figuren.

Das Publikum aber lässt sich gerne und mit sichtlicher Freude an der Nase herum führen, der Lokalkolorit (der ketterauchende Sekretär des Kardinals heiß hier Laberschnüss. Der echte Kölner Generalvikar hört auf den Namen Schwaderlapp. Der Kenner der ‚kölschen Sproch’ erkennt die Parallele) wird mit Szenenapplaus honoriert. Inhaltlichen Tiefgang erwartet hier niemand, der Schlussapplaus ist herzlich und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Etwas mehr konzeptioneller Wagemut und Impro-Coolness hätten aber gut getan.

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war das nicht Euripides…?!

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Gefunden im Verwaltungstrakt der Unibibliothek Köln.

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Wer macht Meinung 5

Abgelegt unter: Allgemein, Rezensionen

Das Bloggen ist eine Herzensangelegenheit, soviel ist sicher. Wer etwas zu sagen hat der bloggt und wer händeringend vor dem Computer sitzt weil ihm nix spannendes einfällt der sollte es lieber lassen.

 

Was geht denn bei den meistbesuchten deutschen Blogs durch die Köpfe ihrer Autoren? Der freie Journalist Philip Banse interviewt seit einiger Zeit im Auftrag von Alexander Kluges dctp.tv die größten Blogger der Republik. Herausgekommen sind faszinierende Einblicke in die Arbeit der Menschen und in die Inhalte und Geschichten der Blogs wie Spreeblick, Sascha Lobos Blog oder den von Stefan Niggemeier mitgegründeten Bildblog, den größten deutschen Watchblog.

In der aktuellen Staffel kommen auch endlich weibliche Blogger zu Wort, besonders spannend finde ich für Theaterblogger hier das schöne lange Interview mit Esther Slevogt. Sie ist Mitbegründerin von Nachtkritik.de und berichtet ihren Weg vom klassischen Feuilleton hin zu einem innovativen journalistischen Onlineformat.

Ein schönes Zitat aus dem Interview:

Wir wollten dass man eine Kritik nicht versteht als ein Kunsturteil - mit Daumen rauf oder Daumen runter - sondern als Beginn eines Gesprächs über eine künstlerische Arbeit auf dem Theater.

Großartig.

Die Teile 1-4dieser Miniserie findet Ihr hier: Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4.

Jetzt aber Bühne frei für Esther Slevogt!

 

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Praxisleitfaden für Twitter, Facebook und Co.

Abgelegt unter: Allgemein, Kulturmanagement

Albert Ostermaier

Brandaktuell: Der renommierte Nomos-Verlag wird zusammen mit Dr. Daniel Michelis und Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer im Dezember 2010 ein Social Media Handbuch für die Praxis herausgeben und ich werde mit einem Beitrag über Chris Andersons Long-Tail-Theorie und ihre Anwendung in der freien Theaterszene dabei sein! Ich bin froh und stolz darauf, ein Kapitel zu diesem Werk beisteuern zu dürfen.

Hier ist die Vorankündigung des Verlages:

Das Handbuch Social Media gibt einen Überblick über angewandte Theorien, Modelle und Methoden und dient dem Leser als Baukasten für die Praxis. Vor dem Hintergrund der enorm schnellen Entwicklung im Bereich der digitalen Kommunikation liefern die einzelnen Kapitel übergeordnete Ansätze, die sich nicht an den einzelnen Phänomenen und Technologien orientieren, sondern an den grundlegenden Mechanismen der voranschreitenden Digitalisierung. In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe sehr hilfreicher Bücher mit Lösungsansätzen geschrieben, für deren Lektüre jedoch in der betrieblichen Praxis oftmals kaum Zeit bleibt. Das Handbuch schließt diese Lücke und stellt der Praxis eine Sammlung operativer Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein vergleichbar kompakter Überblick ist im deutschsprachigen Raum nicht vorhanden. Generell werden die Inhalte in zwei Teile gegliedert. Im theoretischen Teil werden die Werke führender Autoren zusammengefasst, ausgewählte Bücher im Form von Zusammenfassungen und Rezensionen dargestellt sowie Theorien, Methoden und Modelle beschrieben, die als Leitfaden für die Lösung von Praxisproblemen dienen sollen. Im anschließenden Anwendungskapitel werden Fallbeispiele dargestellt.

Quelle: Nomos-Verlag
 
 

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kindliche Sehnsucht

Abgelegt unter: Allgemein, Theater

Albert Ostermaier

Kehlmann reloaded: Nachdem Daniel Kehlmann im vergangenen Sommer eine flammende Rede in Slazburg gegen das Regietheater hielt, schlägt nun Autorenkollege Albert Ostermaier in eine andere Kerbe. Für ihn ist die ganze Sache mit der Werktreue offenbar eher Käse, denn

Alles, was man auf die Bühne bringt, ist immer eine Interpretation, eine Übersetzung. Der Begriff der Werktreue ist ein Kampfbegriff, der nichts mit der Realität zu tun hat. Und er ist auch völlig ahistorisch.

Quelle: welt.de
Matthias Heine zitiert Ostermaier weiter

Die Geringschätzung einer aktualisierenden Aufführungspraxis wertet Ostermaier als Ausdruck einer kindlichen Sehnsucht. Dies sei die Sehnsucht nach dem Gefühl, welches man empfunden habe, als man zum ersten Mal mit einem Theater- oder Musikstück konfrontiert worden sei.

Also ist Regietheater nach Ostermaier das einzige Theater, das nicht verkitschte Kindheitsromanzen auf die Bühne zu bringen versucht. 

Ich habe mich schon immer gefragt, was den ein Theater ohne Regie sein soll. "Regietheater" ist für mich irgendwie ein Begriff wie "Postbriefkasten" oder "Haarfrisur". Verstehen Sie…? Hatt denn Pina Bausch zum Beispiel Choreografentanz gemacht? Und ist Daniel Barenboim ein Verfechter des Dirigentenkonzertes?

Lasst sie doch einfach machen und stellt fest, ob sie sich was dabei gedacht haben oder nicht. Und wenn Brandauer sich in Steins  "Krug" mit Hühnern die Bühne teilen muss dann verstehe ich diese Aufregung ebensowenig.

Aber "kindliche Sehnsucht". Das gefällt mir, Herr Ostermaier. ob Regie- oder einfach nur Theater. Kindliche Sehnsucht trifft meinen Geschmack. Als Zuschauer und als Spieler. 

Mehr davon, ihr Theaterregisseure! Freude, FREUDE…!!!

 

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