Ölbäume in Deutschland
Ich habe mir auf Eintages-Abstecher in die Heimat schnell die aktuelle "Deutsche Bühne" für den Flieger mitgenommen (noch 2 Shows Macbeth (ich bin der weiße Clown hinten in der Mitte) am Freitag & Sonntag, dann driving home for christmas).
Das Titelthema "Euro – Krisen – Theater" ist natürlich per se spannend und wie auch schon bei der wöchentlichen ZEIT-Lektüre kann ichs kaum noch sehen. Aber dann bin ich auf einen Artikel über die Lage der italienischen Musiktheater gestoßen. Wie passend.
Es geht um die "Hiobsbotschaften zur finanziellen Situation der so genannten "Ölbaumländer'… " – also Griechenland und nun Italien. Da heißt es, der italienische Staat gebe nur 0,3 % des BIP für Kultur aus. Diese aber erwirtschafte 6,8 % des BIP. Wenn ich das lese denke ich "mein Gott ist das wenig, wie gut geht´s uns doch in Deutschland!".
Aber die Recherche bei der Bundeszentrale für politische Bildung hat mich dann doch etwas ernüchtert. Zwar liegen keine aktuellen Zahlen vor, die Lage heute wird aber kaum besser sein als 2007. Damals lagen die Staatsausgaben für Kultur in Deutschland bei 8,14 Mrd. Euro. Das waren 1,6 % des Bundeshaushaltes und gerade mal 0,34 % des deutschen BIP.
Wir stehen also nicht besser da als Italien.
In dem Artikel erfahre ich dann auch, dass die Oper Rom – mein derzeitiger Arbeitgeber – unter "staatliche Sonderverwaltung" gestellt wurde und ein "Einheitsfond für die Veranstaltungskünste" (auf italienisch FUS) eingerichtet wurde, weil die finanzielle Lage derart prekär sei. Warum? Laut Deutsche Bühne gehören "die Gehälter und onorare, die den Künstlern an italienischen Opernhäusern gezahlt werden, zu den höchsten überhaupt".
Maestro Riccardo Muti, Chef der Oper Rom ehrenhalber und auf Lebenszeit, hat die Kürzungen des italienischen Staates für die Kultur bei der "Nabucco"-Premiere Anfang des Jahres in Rom so kommentiert: " Bei seinem Debut 1842 wurde 'Nabucco' als patriotische Oper gesehen, die auf die Einheit und Identität Italiens zielte. Ich möchte nicht, dass sie heute, am 12. März 2011, zur Begräbnishymne für die Kultur und die Musik wird." Hier könnt Ihr Euch den Maestro ansehen: YouTube.
Und hier sind die Hintergrundinfos.
Wo sind die deutschen Riccardo Mutis?
Gelesen, was Stephan Kimmig als Dankesrede für den "Faust" gesagt hat? Ich bin weder in einem Ensemble noch war ich je fest angestellt, aber seine Rede ist wirklich lesenswert. Steht auch in der Deutschen Bühne.
Bravo.
Und ich dachte schon, ich würde nie wieder was bloggen.